Erwin Chargaff
11. August 1905 in Czernowitz – 20. Juni 2002 in New York

«Wenn man alt wird, wird alles autobiographisch.» - Erwin Chargaff ist alt geworden. Und vieles in den vielen Essays, die der gelernte Biochemiker schrieb, als er alt und älter wurde, ist autobiographisch gefärbt. Reminiszenzen sind in die Betrachtungen zur Lage von Wissenschaft und Gesellschaft nicht nur eingeflochten, vielmehr ist der Rückblick für ihren Autor der naheliegende Modus der Reflexion. Von Lebensgeschichte - von einer biographischen Kurve - zeugt das essayistische Werk des milde verzweifelnden Mahners aber auch im Ganzen. Es ist das Zeugnis eines «zweiten Lebens», wie der Titel eines Mitte der neunziger Jahre erschienenen Buches festhält: Ein Wissenschafter wird Wissenschaftskritiker, ein Wegbereiter der biochemischen Entschlüsselung des Lebens zum Warner vor der «Sterbemaschine» Forschung.